Warum viele Safaris ins Silicon Valley nicht funktionieren...

Wenn sich das Wachstum eines Unternehmens verlangsamt, die Gewinne aber noch sprudeln ist der Zeitpunkt für viele CEOs gekommen, eine Innovations-Initiative zu starten. Weil es nicht einfach ist, in seinem meist auf Effizienz getrimmten Unternehmen zu erkennen, wohin die Zukunft führt, welche Bedrohung und Chance es gibt, und was zu tun ist, fahren die Manager gerne ins Silicon Valley. Das ist durchaus positiv zu sehen und nicht die schlechteste Idee aus der eigenen Informationsblase zu entkommen. Auch kostet es Überwindung, sich aus seiner Komfortzone zu bewegen und sich für ein paar Tage oder Wochen den teilweise sehr provokanten Ideen und Aussagen in der Bay Area auszusetzen.

Zu Hause angekommen schwärmen sie von der Dynamik und dem Spirit der dort vorherrscht. Schnell kommt man zu dem Schluss, dass vor allem die eigenen Mitarbeiter das Problem sind. Wie sonst wäre zu erklären, dass hier "drüben" so viel kommuniziert wird, man überall von den verrücktesten Ideen hört, im eigenen Umfeld aber kaum ein Austausch stattfindet? Das Mindset stimmt einfach nicht. Zu wenig Ideen, zu behäbig und viel zu viel Angst vor Fehlern. Das lässt sich doch ändern. Vielleicht nicht so radikal, aber das ist ja auch gar nicht nötig. Schließlich will man nicht Amazon werden, sondern nur die innovativere Ausgabe von einem selbst.



Zurück in Deutschland, geht es deshalb als erstes an die Veränderung der Einrichtung. Das kostet nicht viel, stößt in der Regel bei allen auf Gegenliebe und macht auch für Besuchern schon ordentlich was her. Dann folgt eine emotionsgeladene Rede in welcher die Wichtigkeit von Innovationen für das Unternehmen beschworen und weitreichende Maßnahmen ankündigt werden. Meint der Chef es so richtig ernst, wird gleich noch ein Head of Innovation benannt, der direkt an ihn berichtet. Alles soll agiler werden, weniger hierarchisch. Alle sollen doch jetzt bitteschön Entrepreneur werden. Dazu werden noch ein paar teure Change-Berater und Coaches engagiert. Workshops sind eine feine Sache. Weil kultureller Wandel in den Köpfen (der anderen) beginnt kann man schon mal anfangen, ohne dass sich wirklich etwas verändern muss. Manager lernen Leadership, Lean Launchpad und natürlich Design Thinking. Das kommt immer besonders gut an. Durch die bunten Post-Its, die dadurch überall an den Wänden kleben bleibt das äußere Zeichen der punktellen Kreativität noch lange sichtbar. Das gibt nicht nur den Teilnehmern, sondern auch dem Sponsor ein richtig gutes Gefühl. Da sind schnell ein paar gute Ideen dabei. Die muss man in den nächsten Monaten noch ein wenig aufbereiten und dann dem Management vorstellen. Das wird beeindruckt sein, von so vielen guten Ideen in so kurzer Zeit.

Was dann geschieht, mag von außen betrachtet nicht weiter verwundern. Nur ein Bruchteil der ganzen schönen Ideen wird wirklich ausgearbeitet. Zu viele operative Themen sind während der ganzen Workshops in den letzten Wochen liegen geblieben. Das Tagesgeschäft muss ja schließlich auch noch irgendwie weiter laufen. - Und dann gab es da auch noch die Katastrophe mit den externen Marketingleuten. Da musste erst einmal wieder aufgeräumt werden. Für Innovationen wird ja auch etwas später noch Zeit sein. So wurden am Ende nur die drei Lieblingsideen des Innovationsmanagers vorgestellt, weil hier gegenüber den Kollegen "der Druck hoch gehalten wurde" und man ja schlußendlich doch auch irgendetwas präsentieren muss.


Im Management-Meeting passiert dann der Super-GAU: So richtig überzeugt ist der Chef von keiner der Ideen.

Eigentlich hätten für die Geschäftsführung ganz andere Dinge in den Fokus gehört, hätten ganz andere Kriterien für die Auswahl der Ideen eine Rolle gespielt.

Deshalb sollen nun alle präsentierten Ideen weiter verfolgt werden. Erst einmal nur prototypisch, mit möglichst wenig Budget. So wird die Initiative nicht erstickt - und vielleicht entwickelt sich das ein oder andere ja doch noch besser als gedacht. Denn eins ist klar, das Unternehmen braucht dringend gute Ideen. Die Konkurrenz hat nicht geschlafen und auch neue Mitbewerber drängen auf den Markt. Der Druck von allen Seiten wächst unaufhörlich. Bestimmte Käuferschichten wurden schon verloren, bisher konnte das über das Kerngeschäft aber noch ganz gut kompensiert werden.


Auch für den Innovationsmanager brechen harte Zeiten an. Durch die Hoffnung auf mehr Beteiligung werden unzählige Ideen an die zentral eingerichtete Email-Adresse gesandt. Da sind natürlich viele ähnlich, schlecht ausformuliert oder von vornherein zum Scheitern verurteilt. Schließlich hat der Chef noch nie etwas für Nachhaltigkeit übrig gehabt und das Geld saß im Bereich HR auch noch nie wirklich locker... Dann sind da ja noch die Projekte die auf Sparflamme weiter verfolgt werden sollen - und die Ideen die nicht zu Ende ausgearbeitet wurden. Das ist jetzt auch schon wieder Monate her. In dem ein oder anderen Bereich hat sich zwischenzeitlich so viel getan, dass man nicht einfach den Ball wieder aufnehmen kann. Da müsste man eigentlich wieder von vorne beginnen, aber wie sollte man das dem Management erklären? Gleichzeitig schwindet die Akzeptanz für das Innovationsprogramm allen Ortens. Dennoch heißt es positive Rückmeldungen zu geben. Denn noch schlimmer als die Flut der Emails wäre, jetzt alle zu enttäuschen.


Mehr als schöne Worte sind am Ende ja wieder einmal nicht rum gekommen. Eins dieser Strohfeuer, die bei jedem Hype angezündet werden. Wer schon länger dabei ist, der kennt das.

Der letzte Ausweg scheint ein echtes Ideen-Management System sein. Doch können Tools wirklich Probleme lösen? Viel mehr als eine Wissens-Datenbank mit Bewertungsfunktion sind die Dinger ja eigentlich auch nicht. In befreundeten Unternehmen spricht man in diesem Zusammenhang gerne auch vom Ideenfriedhof. Die eigentliche Arbeit der Bewertung und Ausarbeitung hängt an wenigen Personen und die Akzeptanz der so zur Oberfläche beförderten Ideen bleibt in aller Regel auf die "quick wins" zur Effizienzverbesserung beschränkt. Das macht jetzt auch nicht so richtig Mut... Was also tun? Bei den ganzen Startups im Silicon Valley funktioniert es doch schließlich auch. Warum fällt es Unternehmen mit zunehmender Größe immer schwerer innovativ zu sein? Wo geht sie hin, die Fähigkeit kreativ zu sein und die Entwicklung von Ideen zu unterstützen?


Hier steht wie man es besser macht ;-)